Dienstag, 17. Februar 2009

Harbin - Einmal Sibirien und zurück

Zuerst einmal: Ich lebe noch und bin mit allen Fingern, Zehen und meiner Nase in Shanghai gelandet.

Los gings mehr oder weniger am Freitag den 13ten.
Das Datum vermag nichts Gutes. Und so gings dann auch los. Lag es an unserer, mittlerweile chinesichen Lebensweise, bzw. Gemütlichkeit oder an den dann doch zu deutsch bürokratischen Beamten am Flughafen?!
Wir kamen ca. 40Min vor Abflug an, jedoch LEIDER 5Min. zu spät. Somit hat man uns nicht mehr einchecken lassen und wir haben den Flug verpasst.

Eigentlich hätten wir hier echt ausrasten können und den Spacken an seiner Krawatte über den Schalter ziehen können...Aber wir sind ja in China, da muss man mit sowas rechnen. Das haben wir jedenfalls schon verstanden. Also haben wir den Flug von Freitag Abend einfach auf Samstag früh umgelegt und haben somit nur ein paar Stunden "verschwendet". Im Nachhinein waren wir um die Stunden weniger in der Kälte froh!

Die Chinesinnen habens weniger locker gesehen, rumgeheult und die Eltern angerufen...naja.
Haben uns dann ein Hotel am Flughafen genommen weil der sinnlose Transrapid nur bis um 9 geht. Natürlich haben wir genau das Hotel neben der Landebahn erwischt...oder wars vielleicht auf der Landebahen?! Laut genug wars dafür.

Und was macht man mit einem angeknacksten Abend, wenn man den Flug verpasst hat?!
Genau, man wirft sich wie unsere beiden Chinesinnen richtig in Schale und befragt mit total behinderten Fragen "den Wächter des Stiftes", eine Art Orakel, nach der Zukunft. 2Leute fassen einen Stift an und angeblich bewegt das Orakel den Stift dann und schreibt die Antwort. Kreis für ja, Striche für Nein, oder so ähnlich

Spätestens hier bin ich dann ausgetickt...
Leider hatte ich keine Fragen an das Orakel, also hab ich gewartet bis der Sche*** zu Ende war um Schlafen zu können.


Am nächsten Morgen dann in Harbin gelandet und erstmal nen Schock bekommen, als es hiess: -25°C. Die gute Frau am Funk hatte sich jedoch vertan und es hatte angenehme -15°C.

Und schon am Flughafen haben uns kleinere Eisskulpturen begrüßt:
(PS: mit heissen Wasser hab ich meine Zunge dann wieder von dem Lama wegbekommen ;P )

Dass das Leben im Norden etwas ruppiger abläuft merkt man nicht nur daran, dass man ständig angerempelt wird, es schutziger ist als auf einer Müllhalde oder es Volkssport ist bevor es Grün ist loszufahren um noch ein paar Passanten zu erwischen (und hier bremsen die nicht!).
Sondern auch daran, dass die Taxifahrer richtige Käfige im Wagen haben, aus Angst von Hinten gelüncht zu werden.


Empfangen von einem kleinen Schneegestöber haben wir dann die Stadt erkundet:

Und weils so kalt war, haben Kevin und ich uns versucht zu wärmen.

Aber jeder weiss was gegen Kälte hilft!?

Genau, ein Eis! Und zwar das berühmte harbiner Eis!
Was?!Das kennt ihr nicht???
Kann gar nicht sein...so beschissen wie das geschmeckt hat müsste man das doch auch in Deutschland kennen.
Eine Mischung aus Ananas, Milch, Wasser und Melamin.
Und hier ein Foto der Lieblingsbeschäftigung der Chinesen auf Fotos...
Kein Chinese kann mir sagen wo das her kommt oder wer damit angefangen hat...aber eins kann ich sagen:
Kevin, wenn du das nochmal auf einem Foto machst, brech ich dir beide Finger! ;)
Danach hab ich dann ein kleines Konzert auf eine Klavier aus Eis gegeben. Man konnte darauf wirklich spielen, da eine Art Piano ins Eis eingebaut war. Da kamen natürlich gleich ein paar Chinesen um zu sehen was der Westler so macht...
Da ich aber mit den Knien gegen einen Eisblock der Unterseite geknallt bin, und der daraufhin abgebrochen ist, haben wir uns schnell aus dem Staub gemacht =)

Angekommen am Fluss durften wir erleben auf was für bescheuerte Ideen die Chinesen auf Eis kommen.


Hier sitzen Chinesen auf kleinen Schlitten und schieben sich mit Stecken übers Eis:
Und hier kann man mit Elektroflugzeugen über den Fluss fahren:

Oder einfach mal Rutschen:


Als es dann dunkel wurde, war zwar alles schön beleuchtet, aber es wurde auch richtig kalt!



Als wir hier rumstanden kam die ganze Zeit ein Chinese zu uns, der Ohrenwärmer verkaufen wollte. Er hat unsere chin. Begleiterinnen aber nur vollgequatscht wieso sie mit Ausländern rumreisen...später hat er uns vollgequatscht, keine Ahnung was aber er hat die ganze Zeit die franz. Nationalhymne gepfiffen und gesungen...bis er den Mädels dann erzählt hat, dass ihn seine Frau wegen einem Ausländer verlassen hatte, seitdem mag er wohl keine Ausländer mehr. Und wo kam der Ausländer her?! klar, aus Frankreich...seitdem läuft der Freak rum und pfeift die Marseillaise....

Weil wir keine Lust hatten über den Fluss zu laufen um zum Eisfestival zu kommen haben wir standesgemäß eine Kutshe genommen. Angeblich war im Preis der Bus zum Festival auch inbegriffen....klar wurden unsere Chinesinnen verarscht...wenn man doch manchmal nur was verstehen würde =)
Beim Haupteingang angekommen haben wir die -25°C erstmal vergessen und waren nur überwältigt von den gigantischen Gebilden aus Eis. Hier einfach mal ein paar Bilder um einen Eindruck zu bekommen wie geil das war:






Auch das Bird's Nest wurde aus Schnee nachgebaut:



Das ganze war etwas wie Disneyland aus Eis aufgebaut.
Man konnte überall rutschen:Quad oder Schneemobil fahren:

Auf Ringen nen Berg runter rutschen:
Oder mal ne Runde Skifahren:
In der Mitte des Platzes war auch ein Cafe in dem man sich aufwärmen konnte und dabei Domteuren zusehen, wie sie Tiere dazu zwingen Showeinlagen zu vollziehen. Da war zb ein Bär der musste Seilspringen oder auf dem Rücken liegen und mit den Füßen eine brennende Fackel jonglieren.
Hier noch ein paar weitere Eindrücke:
Die Treppen waren komplett aus Eis, da sind Chinesinnen mit Highheels hoch, natürlich nur durch die stützenden Freunde möglich!

Einfach mal ne Runde cruisen:
Oder ein Kamel reiten?


Am zweiten Tag haben wir uns dann dem russischen Teil gewidmet.
Hier die russische Kirche St. Sophia:
Und im russischen Viertel gegessen.
Wie ein schlechtes Klischee, gleich neben dem Eingang eine Bar die die ganze Zeit aufgefüllt wurde. Neben uns am Tische waren 3 Russen, die haben Mittaggegessen und 2 Flaschen Vodka dazu getrunken. Zu dritt um 1Uhr Mittags!
Hier ein Bild aus der Speisekarte. Das lustige war, dass der Teller genauso ankam. Dh. Suppe die über den Tellerrand lief. Mit liebe zum Detail!
(Die Löffel kenn ich doch noch irgendwoher?! ;)

Das geilste Pärchen war das links auf dem folgenden Bild!
Ich hab in China ja schon viel gesehen, aber der Typ hatte es perfektioniert wie man seine Frau erzieht!
Er hatte eine Suppe bestellt und gelöffelt. Der Kerl war gesund muss man dazu sagen, dass heisst beide Hände funktionstüchtig. In der einen der Löffel, die andere lag nur auf dem Tisch. Als die Suppe langsam weniger wurde hat dann seine Frau aufgehört zu essen um ihm die Schüssel mit beiden Händen schief zu halten, damit er mit einer Hand weiter löffeln konnte!!!!
Respekt, Damuen hoch dafür ! ;)

Danach gings dann weiter, und wieder hat man ein RIESEN Schloss aus Eis gesehen... Einfach verrückkt!
Da wir genug Eis gesehen hatten, haben wir uns anschliessend Schnee gegönnt:
Hier haben die fleissigen Bauer mal eben nen Zug gebaut:
Das Motto dieses Jahr war Finnland, keine Ahnung wieso.
Hier sieht man laut dem Schild unten, 4 finnische "Street girls", echt süße Dinger!
Und wie immer die Frage: was passt nicht ins Bild?!
Genau, die Dicke links!

Noch schnell nen Kuss...
...und weiter zu den anderen 100000 Skulpturen. Frag mich bis heute wo die so viel Schnee herhatten!
Und dann das Highlight!
Ein gigantisches Kunstwerk aus Schnee, und das alles auf einem gefrorenen See aufgebaut! Auch hier konnte man Rutschen und sonstigen Freizeitspass betreiben.
Dann wurds uns so kalt dass wir gegangen sind. Im Taxi dann eine kleine Erfrischung...oder auch nicht, weil das Wasser das in meiner Tasche war teils eingefroren war.
Kalt, kälter, Harbin!


Am Abend gings dann mit einer Stunde Verspätung zurück nach Shanghai und Montag früh wieder in die Arbeit. Erholung sieht anders aus! ;)

Sonst gibts nicht viel Neues.
Ende des Monats müssen wir ausziehen weil unser Mietvertrag ausläuft.
Leider haben Manu und ich keine gute zweier Wohnung gefunden, deshalb ziehe ich jetzt zu 2Mädels, einer Chinesin und einer Koreanerin. Die hatten im Internet eine Anzeige, dass sie einen Mitbewohner suchen, der auch gern süß sein darf.
Und da die Anzeige wohl genau MICH gesucht hat, zieh ich da jetzt ein ;)

Bin mal gespannt wie das wird. Was komisch an der Wohnung war ist, das man ein Fenster zu dem Zimmer der einen Mitbewohnerin hat....aber es gibt ja nen Vorhang =)
Einziger Nachteil der mit jetzt schon aufgefallen ist...nur ein Bad!
Hoffentlich brauchen die nicht so ewig wie sonst so einige Frauen um sich fertig zu machen.

Ich werde natürlich berichten sobalds wieder was Neues gibt!

Mittwoch, 11. Februar 2009

Mit 20.Mio Chinesen zur Arbeit

Das freut mich ja, dass es immer noch Leute gibt die mitlesen. Und da ich anscheinend eine Mission habe, nämlich euch vom Lernen abzuhalten, will ich mein bestes versuchen!

Wie ihr ja wisst habe ich seit dem 15.1 mein Praktikum begonnen.
Und da heisst es jetzt jeden morgen: Mit 20Mio. Chinesen auf dem Weg zur Arbeit.

Und mir kommt es jeden morgen so vor, als würden eben diese 20Mio. immer genau meine Metro/Sbahn nehmen...
Es ist so eng gepresst, dass man Glück hat, wenn man sich nicht a der Nase kratyen muss, da man die Arme eh nicht hoch bekommen würde. An jeder Station kommen aber immer noch mehr Leute rein als raus. Dazu gibt es extra Aufseher, die jede Lücke erkennen und weiter Leute in die Metro schieben oder wirklich pressen. Da kommen Leute mit Anlauf angesprungen, pressen so kurzeitig Platz bis die Türen zu gehen und kleben dann an der Tür...Unfassbar, jeden Morgen das gleiche Spiel...

Und da hier wie schon üfter erwähnt der Kampf um die Sitzplätze Volkssport ist, bin ich mittlerweile Profi darin. Und da es ja um einen SITZPLATZ geht, muss ich eben auch mal eine Mutter mit Kind wegschieben oder eine 80Jährige Oma umschupsen um an einen begeehrten Sitzplatz zu gelangen ;)

Meistens ist die Metro aber eh schon voll, da geht dann das Geschupse um die zweitbegehrtesten Plätze an der Tür los. Da zwar fast jeder in die Metro reinkommt, aber nicht jeder an seinem Halt raus...und da ich den Chinesen zum Glück etwas überlegen bin in Sachen Größe und Gewicht, hab ich meinen Platz meist sicher =)

Da soviele Menschen in einer Metro sind, muss man sich natürlich nicht wundern wenn man alle 2Wochen eine Erkältung hat. Da man sprichwörtlich in einer Sardinenbüchse eingepfercht ist, hat man immer irgendeine Nase im Gesicht oder der Backe hängen und so muss nur 1Chinese im vorderen Teil des Zugs krank sein, und wenn er aussteigt hat er das ganze Abteil angesteckt.

Zur Arbeit im Büro:
Zum Glück ist unser Büro nur im 5ten Stock!
Jeden morgen ist die Schlange zum Aufzug dermassen lang, dass man mind 5-8Min warten muss. Und da in China das Erdgeschoss dem 1.Stock entspricht und bei unserem Gebäude der 4te ausgelassen wurde, weil die 4 Unglück bringt, ists dann doch nicht so stressig die Treppe zu nehmen.

Im Büro bin ich mit meinem deutschen Chef, der viel unterwegs ist und 9 Chinesen.
An meinem ersten Tag hat er mir über jeden Mitarbeiter ein paar Geschichten erzählt...
wer was kann, und was nicht, wer Entscheidungsschwächen hat und wer ganz andere Probleme hat...
Das hab ich dann auch gleich beim Essen bemerkt, dass ein Mitarbeiter MICH gefragt hat, was für ein Saft gut ist und welchen er nehmen soll!
Sind alle super nett, auch wenn ich mich an meinen Kollegen gegenüber von mir erst noch gewöhnen muss...
Er hustet mit immer ohne sich die Hand vorzuhalten ins Gesicht, zieht übelst einen hoch und rotzt in den Mülleimer neben ihm, merkt gar nicht mehr wenn er rülpst und schneidet sich jeden 3Tag die Fingernägel...Jeden Tag wenn er in die Arbeit kommt, holt er sich erstmal eine Klopapierrolle und geht....ihr wisst schon!
So kann man auch die Zeit rumbekommen!

Und mein Chef ist echt super cool, hatte sich damals vorgestellt als:
Und ich, ich leite den Kindergarten hier!

Mittlerweile weiss ich auch wieso...Chinesen sind ab und zu wie kleine Kinder, man muss ihnen alles 5Mal sagen, auch wenn sie dann ahhhh ok sagen, haben sies immer noch nicht verstanden.
Und entscheiden mag hier keiner was, alle haben Angst was falsch zu machen. Umso besser, dann hab ich mehr zu sagen ;)
Kleiner Spass!

Ein weiterer Vorteil ist, dass ich jeden Tag mit meinen chin. Kollegen zum Mittagessen gehe und dadurch jeden Tag eine neue Köstlichkeit aufgetischt bekomme. Manchmal erlauben sie sich beim Bestellen einen kleinen Scherz und wollen schauen was ich alles Essen kann, aber warum denn nicht. Letztens wurden mir lebende Schrimps versprochen. Hatte ich NOCH nicht.
Ansonsten habe ich shcon wirklich merkwürdige Sachen in China gegessen.
Von Hühnerherzen, über Frosch, Rinderlungengewebe und sonstige Eingeweide, das merkwürdigste Gemüse dass die wohl finden konnten, bis hin zu Hühner und Entenblut!

Aber irgendwann schiebt mans sich einfach nur noch in den Mund und kaut, meist wird man positiv überrascht. Ausser Tofu und die Bohnenpaste schmeckt hier alles.

Letztens wurden wir dann von einem Lieferanten zum Essen eingeladen. Der hat den ganzen Abend gesponsort!
So läuft das eben hier in China, sonst würden wir ja keine Geschäfte mit ihm machen. Danach gings zum KTV(Karaoke) dort wurde ich gezwungen 2Lieder zu singen....peinlicher gings eigentlich nicht, aber zum Glück waren alle schon so besoffen, dass es keine aufgefallen ist.

Es läuft dabei dann imme rso ab, dass alle Mitarbeiter versuchen den Lieferanten abzufüllen und der Lieferant und seine Leute den Chef...am Ende sind alle voll!

Dabei wird immer ein chin. Würfelspiel gespielt. Wer verliert muss trinken. Da der Chef immer verloren hat, musste ich ran...und das hat dann so gut geklappt dass der Lieferant am Ende quasi "game over" war.
Und als Belohnung durften wir am nächsten Tag erst um 10:30 zur Arbeit komme =)

Demnächst werden wir dann auch umziehen, da unser Mietvertrag ausläuft und die Wohnung zu weit abseits unserer Büros liegt. Mal sehen wo es uns/mich dann hin verschlägt und was es dort für lustige Geschichten zu berichten gibt.

Ansonsten kommt in Shanghai langsam der Frühling aus seinem Versteck. In Deutschland würde man es daran erkennen, dass die ersten Zitronenfalter herumfliegen, in Shanghai erkennt man es an den kurzen Röcken der sonst so verklemmten Chinesinnen.
Was ich da heute schon wieder gesehen habe, dürfte sonst erst nach 23:00Uhr auf die Straße!

Und da die warem Temperaturen viel zu einfach zum Überleben wären, fliege ich übers Wochenende in den Norden um noch einmal richtig schön Kälte zu tanken.
Dabei gehts Richtung Russland, genauer Sibirien. Nördlich von Vladivostock werde ich das Wochenende beim Schnee- und Eisfestival in Harbin verbringen.

Zu diesem Festival werden nicht nur einfache Figuren, sondern ganze Gebäude oder Landschaften aus Eis und Schnee nachgebaut. Hier ein paar Eindrücke was mich erwarten wird:




Und da -20°C nicht gerade warm sind (Tiefsttemperaturen von -40°C wurden auch schon gemessen) habe ich den genialen Tip bekommen mich warm anzuziehen, Handschuhe und Mütze nicht zu vergessen und "draussen an keinen Metallstangen zu lecken"...
Leider war das ein ernstgemeinter Tip eines chin. Freundes....es gibt wohl jedes Jahr Leute, die keine so guten Tips bekommen haben und naja,...dann auf nen Föhn warten müssen.

Eigentlich müsste ich aus Trotz einen der super Tips missachten und danach sagen: "Ja hättest du mir das halt gesagt!?"
Aber diesmal folfe ich den blöden Tips lieber...

Falls mir nicht die Finger abfrieren, dürft ihr euch nächste Woche auf eiskalte Schnappschüsse gefasst machen!